Leben in der HerdeRuhen und SchlafenWälzen
Spielen
Soziale FellpflegeWie lernen sich Pferde kennen?
Gibt es Freundschaft unter Pferden?

Pferde sind Herdentiere. Deshalb haben sie eine sehr feine Sprache, um miteinander zu kommunizieren. Sie drücken sich vor allem über Körpersprache aus und haben ein sensibles Gespür für Absichten. Sie sind grundsätzlich friedfertige und harmoniesuchende Tiere, die Auseinandersetzungen meiden, wenn keine Notwendigkeit dazu besteht. Der Zusammenhalt der Herde ist in der freien Natur überlebenswichtig. Konflikte kosten hingegen wertvolle Energie und bergen die Gefahr von Verletzungen.

Als Fluchttiere verfügen Pferde über feine Sinne, mit denen sie Gefahren frühzeitig erkennen können. Im Zweifelsfall suchen sie ihr Heil in der Flucht. Sie sind angepasst an ein Leben in grosser Weite und haben entsprechenden Bewegungs- und Platzbedarf. herde (18K)

Leben in der Herde

In freier Natur leben Pferde in Gruppen von meist 3 bis höchstens 20 Pferden zusammen. Es kann vorkommen, dass sich mehrere Gruppen zu grossen Herdenverbänden zusammenschliessen. Die einzelnen Gruppen bleiben innerhalb des Verbands aber unter sich.

Die Herden bestehen auf einem oder selten zwei erwachsenen Hengsten und einer Gruppe von Stuten mit ihrem Nachwuchs, aus noch nicht fortpflanzungsreifen Jungstuten und Junghengsten oder aus mehreren Hengsten ohne Stuten. Erwachsene Hengste leben manchmal auch als Einzelgänger.

Natürlicherweise sind Herden recht stabile Familienverbände. Hengstfohlen verlassen die Herde als Jährling freiwillig oder werden vertrieben, Stutfohlen bleiben manchmal in der Gruppe und behalten eine enge Beziehung zur Mutter bei. Der Hengst kann einzelne oder, wenn er Pech hat, alle Stuten an einen anderen Hengst verlieren. Deshalb ist er sehr aufmerksam gegenüber Rivalen und Herdenmitgliedern, die sich zu weit von der Gruppe entfernen.

Die Rangordnung

Oft wird die Rangfolge als tragendes Element des Lebens in der Herde dargestellt und es wird dir geraten, dich auch als Mensch im Umgang mit Pferden an ihr zu orientieren. Die Idee dahinter ist, dass sich das Pferd dem Ranghöheren bedingungslos anschliesse, wenn es ihn akzeptiert.

Die Rangfolge bedeutet, dass ein Tier aus Auseinandersetzungen gegenüber einem anderen grundsätzlich als Gewinner oder Verlier hervorgeht. Gewinnt es, gilt es als ranghöher, verliert es, ist es rangniedriger. Theoretisch kann man so eine Reihenfolge aufstellen mit dem ranghöchsten Pferd an der Spitze und dem rangniedrigsten am Ende. Tatsächlich sind Pferdegruppen aber komplexer strukturiert. Es kann sein, dass Pferd A Pferd B verscheuchen kann und B verscheucht Pferd C – Pferd C wiederum kann aber Pferd A wegschicken. Man kann also nicht sagen, dass A das ranghöchste Pferd und C das rangniedrigste ist. Zudem gelten diese Hierarchien oft nur für bestimmte Konkurrenzsituationen, z.B. wenn es um einen Platz an einer Futterstelle, an der Tränke oder Witterungsschutz geht. Man spricht in dem Fall davon, dass sich ein Pferd in er bestimmten Situation dominant oder unterwürfig verhält. Ein Pferd kann sich an der Tränke gegenüber anderen unterwürfig benehmen, aber dasjenige sein, das bei unbekannten Ereignissen als erstes vorangeht und die Lage erkundet, während ihm die anderen folgen. Das Konzept einer festen Rangordnung hilft also nur bedingt weiter, um die Strukturen in einer Pferdeherde zu verstehen.

Wir können annehmen, dass die Rangordnung in der Herde zwar eine Rolle spielt, indem sie einem Pferd sagt, welchen Pferden es in Konkurrenzsituationen zu weichen hat und welche ihm ausweichen werden. Mit diesem Wissen kann es Konfrontationen vermeiden. Gesamthaft kommt der Rangfolge für den Zusammenhalt und das friedliche Zusammenleben in der Herde allerdings wohl viel weniger Bedeutung zu, als oft angenommen wird, vor allem dann, wenn es durch ausreichend Platz, Futter und Wasser zu wenig Auseinandersetzungen kommt. Viel wichtiger scheint für Pferde die Verteilung von Rollen für verschiedene Aufgaben und die Pflege des Herdenzusammenhalts.

Merke

Die Rangordnung wird vor allem in Konfliktsituationen sichtbar. Diese Konflikte sind in freier Natur meist nur von kurzer Dauer und es gibt meistens auch eine Ausweichmöglichkeit für das unterlegene Pferd. Es würde Pferden im Unterschied zu Menschen nicht in den Sinn kommen, ein anderes ununterbrochen kontrollieren zu wollen.

Die Leittiere

Die Leitstute führt die Herde bei Ortswechseln an. Meist ist es eine schon etwas ältere Stute mit Erfahrung, die selbstsicher, besonnen und vertrauenswürdig ist.
Der Leithengst beschützt die Herde und hält sie zusammen. Bei der Flucht läuft er hinten, um Nachzügler anzutreiben. Er verteidigt die Herde gegen Angreifer und ist der Einzige, der die Stuten der Herde decken darf. Er ist mutig, kräftig, überlegen und selbstsicher.

Merke

Die Leittiere sind besonders aufmerksame Tiere, die immer wissen, was um sie herum passiert. Sie sind aber nicht zwingend die dominantesten Pferde in der Herde, also die, die am meisten auf anderen herumhacken. Sie gehen Auseinandersetzungen oft sogar eher aus dem Weg.

Anführer für einzelne Aktivitäten

Auch einzelne Pferde, die nicht Leittier sind, können die Herdenmitglieder dazu bringen, das Gleiche zu tun wie sie. Sie können zum Beispiel einen Ortswechsel veranlassen oder unbekannte Dinge erkunden. Dabei kann es vorkommen, dass anschliessend ein anderes Pferd die Führung übernimmt.

Sozial bedingtes Verhalten

Sozial bedingtes Verhalten sind Dinge, die Pferde hauptsächlich gemeinsam tun: Fressen, Ruhen, Witterungsschutz aufsuchen und Fliehen. Wenn es ein Pferd macht, tut es bald die ganze Herde. Diese Verhaltensweisen halten die Herde zusammen und wenn du Pferde in der Herde über mehrere Stunden hinweg beobachtest, stellst du fest, dass sie ganz selbstverständlich fast alles gemeinsam tun.

Merke

Pferde tun Dinge gerne miteinander. Je mehr sie gemeinsam tun, desto stärker wird der Zusammenhalt.

Der persönliche Raum

Wie wir Menschen fühlen sich Pferde bedrängt, wenn ihnen ein Artgenosse, aber auch ein Mensch oder ein anderes Tier zu nahe kommt. Ein Pferd weicht dann aus oder signalisiert dem anderen, dass dieses weichen soll. Ignoriert das Gegenüber die Warnung und dringt weiter in den persönlichen Raum ein, wird das Pferd seine Warnung deutlicher machen und seine Drohung nötigenfalls mit Beissen oder Treten durchsetzen.

Der persönliche Raum ist abhängig von der Situation und von der gegenseitigen Beziehung. Befreundete Pferde dürfen sehr nahe kommen, wenn es keinen Grund zum Streit um Ressourcen gibt. Freunde grasen nebeneinander, kraulen sich gegenseitig das Fell oder stehen einfach beisammen. Diese Verhaltensweisen festigen den Zusammenhalt.
Fremde dürfen nicht so nahe kommen wie Herdenmitglieder und ängstlichen oder aufgeregten Pferde darf man weniger nahe kommen, ehe sie fliehen oder sich verteidigen. Die Herde rückt dafür in Gefahrensituationen umso näher zusammen.

In freier Natur steht in der Regel so viel Platz zur Verfügung, dass Pferde den Raum ihrer Artgenossen ausreichend respektieren können. Sie können einem drohenden Pferd frühzeitig aus dem Weg gehen und sich ausreichend weit zurückziehen, sodass dieses sich nicht mehr provoziert fühlt.

Was bedeut das für den Menschen?

Weiter ->